Die Gründung des Gymnasiums

Berndorf war Anfang des 19. Jahrhunderts noch ein kleines Bauerndorf. 1843 wurden die Metallwerke gegründet, aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich der Betrieb zu einem Großunternehmen, das sich den Weltmarkt eroberte. Durch starken Zuzug von Arbeitern wuchs Berndorf zum Industrieort. Der Fabriksbesitzer Hermann Krupp betrieb die kirchliche und schulische Loslösung von Pottenstein. 1852 gründete er eine Privatschule für Arbeiterkinder, 1898 wurde das Theater von seinem Sohn und Nachfolger Arthur Krupp errichtet.

Durch Zufall absolvierten im Jahr 1898 mehrere Beamtensöhne die Berndorfer Volksschule und sollten eine weitere Schulbildung erhalten. Der Besuch eines Gymnasiums hätte für die Kinder eine Trennung von zu Hause und ein Leben im Internat bedeutet. Um das zu vermeiden, entschlossen sich die Eltern, die Schüler am "Landes-Real- und Oberstufengymnasium" in Baden als Privatisten einschreiben zu lassen und in Berndorf einen privaten Unterricht durchzuführen. Damit liegt in einer Privatinitiative von Schülereltern der Keim zu einem höheren Schulwesen im Triestingtal!

Arthur Krupp (1856-1938)
Quelle: Wikipedia

Arthur Krupp stand dem Plan seiner Beamten äußerst aufgeschlossen gegenüber und lieferte von Anfang an die materiellen Grundlagen für die Realisierung des Vorhabens. Als Schullokal stellte er zwei Arbeiterhäuser zur Verfügung und sorgte für eine entsprechende Einrichtung. Krupp berief Studenten der juridischen Fakultät der Universität Wien als Lehrer und bezahlte sie auch. Die Eltern hatten nur einen geringen Teil der Kosten zu tragen.

Privatgymnasium

Im dritten Schuljahr 1900/1901 wurde durch Intervention des Badener Gymnasialdirektors Wittek eine Privatschule auf gesetzlicher Grundlage eingerichtet. Die Schule wurde nun auch über die Angestellten der Fabrik hinaus allen Schülern Berndorfs und seiner Umgebung geöffnet.

 

1908 verlieh das Unterrichtsministerium der Schule den Namen "Krupp Privat-Realgymnasium" und das Öffentlichkeitsrecht. In diesem Jahr unterrichteten neben dem Direktor 9 Lehrer 36 Buben und 2 Mädchen.

Durch das ständige Wachsen der Fabrik wuchs auch die Bevölkerung von Berndorf rasch, sodass innerhalb kurzer Zeit die Volksschule dreimal in größere Gebäude übersiedeln musste. 1910 wechselten 1000 Volksschüler in die beiden neuen Schulen zu Seiten der Margaretenkirche und 35 Gymnasiasten aus den Arbeiterwohnbaracken in das alte Volksschul-Gebäude am Kislinger Platz, wo sie bis 1985 blieben. Während des 1. Weltkrieges wurden schon Pläne für ein eigenes Schulgebäude und Professorenhäuser entworfen, der Krieg verhinderte aber die Durchführung.


Überlebens-Probleme der Zwischenkriegszeit

Nach dem 1. Weltkrieg befand sich Krupp in finanziellen Schwierigkeiten, Bund, Land und Gemeinde lehnten eine Übernahme des Gymnasiums ab, sodass sein Ende gekommen schien. 1920 richteten Lehrkörper, Elternschaft und Stadtgemeinde gemeinsam eine Petition an den Unterrichtsminister Otto Glöckel, in der die Verstaatlichung des Gymnasiums und die Errichtung einer Oberstufe gefordert wurden, was aber an den fehlenden finanziellen Mitteln des Staates scheiterte.

Anfang der 20er Jahre begann man versuchsweise wiederholt mit einer fünften Klasse, wobei die Lehrer  teilweise unentgeltlich unterrichteten und die Eltern fast die gesamten Kosten selbst tragen mussten. Das hohe Schulgeld betrug ein Fünfzigstel des Monatsgehalts bei kleinen bis zu einem Zwanzigstel bei höheren Einkommen. 1926 war der Aufbau der Oberstufe abgeschlossen, drei Burschen und zwei Mädchen bestritten die erste Matura. Von 1925 bis 1935 stieg die Schülerzahl von 135 auf 204.

In der Zwischenkriegszeit herrschte ein ständiger Konflikt um dringend benötigte neue Klassen, da die Gemeinde gegen das bürgerliche Gymnasium war. Einmal tauchte sogar die Idee auf, das Gymnasium zu schließen und in ein Hotel umzuwandeln. Durch die immer schlechter werdende finanzielle Situation von Staat und Gemeinde in den 30er-Jahren war die Existenz des Gymnasiums immer wieder gefährdet. Gemeinde und Staat drohten teilweise sogar überhaupt, jegliche Subventionen zu entziehen, was aber durch Interventionen aus dem ganzen Triestingtal immer verhindert werden konnte.

Ab 1935 wurde "vormilitärische Erziehung" im Unterricht durchgeführt, der Wandertag wurde als "gesicherter Marsch" unter "lebhafter Beteiligung der Bevölkerung" abgehalten.

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg

Die Übernahme des Gymnasiums durch den Staat wurde dann als "eine Tat des nationalsozialistischen Deutschland" gefeiert. Die Schule hieß "Staatliche Oberschule für Jungen". Zwischen 1920 und 38 war der Gymnasialverein immer sehr rege tätig gewesen, er wurde jetzt in den Elternverein umgewandelt.

Im Vorwort des Jahresberichtes 1939/40 schrieb Direktor Dr. Karl Rendl: "Es ist nicht leicht, Schulweisheit zu lehren und zu lernen, wenn der Marschtritt unserer siegreichen Armeen dröhnt", ein Thema der schriftlichen Reifeprüfung aus Deutsch lautete: "Worin sah ich meine Aufgabe als Mitglied der Hitler-Jugend?" und die Schülerstatistik gibt darüber Auskunft, dass in diesem Jahr 257 Schüler "deutsch und artverwandt", 5 Schüler "Ausländer" und 1 Schüler "mischblütig" waren. Die Rolle der Schule in dieser Zeit ist noch viel zu wenig aufgearbeitet worden, z.B. was ist mit den Schülern geschehen, die von der Schule abgemeldet worden waren, oder welche Rolle spielten einzelne Lehrer bei der Unterstützung des Systems?

Nachkriegszeit

Im 2. Weltkrieg verloren 6 Lehrer der Schule und über 30 Absolventen ihr Leben. Das Gymnasium war durch Einquartierungen, Plünderungen und Granattreffer beschädigt und vorerst unbenutzbar. Und laut Jahresbericht 1945/46 hat sich "die positive Haltung zur demokratischen Republik ... allenthalben verwurzelt".

Nach dem Wiederaufbau war das Gebäude bis 1956 noch in Besitz der Gemeinde, die es erhalten und Schulwart, Beleuchtung und Beheizung bezahlen musste.1956 schenkte die Gemeinde das Gebäude dem Bund und war damit diese schweren Belastungen los.

1967 wurden erstmals alle Unterstufenklassen doppelt geführt. In den späten Sechzigern hatte sich auch die Oberstufe in einen neusprachlichen und realistischen Zweig gespalten. Die Schülerzahl war schon über 500 gestiegen.

Der Kampf um den Neubau

In einem Gebäude für 9 Klassen wurden 19 unterrichtet. Die provisorischen Lösungen: eine Klasse im Keller, fünf disloziert in Gebäuden der Gemeinde im Gemeindehof, Wanderklassen. Der Lehrkörper trat daher vehement für einen Neubau ein, Stadtgemeinde, Landesschulrat und Ministerium waren aber dagegen. Dann setzte sich die Stadtgemeinde doch auch für einen Neubau ein. Die Verhandlungen dauerten von 1962 bis zum Baubeginn 1981, also fast 20 Jahre. Schließlich sollte die Schule mit 12 Klassen und mit einem Turnsaal gebaut werden, sodass der Kampf des Lehrkörpers von neuem begann. Es wurde nachgewiesen, dass im Triestingtal die Bevölkerung nicht ab-, sondern zunehmen werde.

In dreieinhalbjähriger Bauzeit entstanden schließlich 18 Klassen, 2 Turnsäle und 7 Sonderunterrichtsräume. Seit dem 29. Mai 1985 wird im neuen Haus unterrichtet.

Die Schulentwicklung seit 1985

Die feierliche Eröffnung des neuen Schulgebäudes fand am 25. Oktober 1985 statt. Die Segnung des Hauses nahmen Weihbischof Florian Kuntner und Superintendent Helmut Santer in Form einer ökumenischen Feier vor. Unter den Ehrengästen: Landeshauptmannstellvertreter Ernst Höger, der Präsident des LSR für NÖ Adolf Stricker und Bürgermeister Josef Leskovec. Die neue Schule enttäuschte nicht. Es gab nun keine Wanderklassen mehr, jede Klasse hatte einen eigenen Raum. Die vielen Sonderunterrichtsräume und die zwei Turnsäle trugen viel zur Ergiebigkeit des Unterrichts bei.

Kaum im neuen Haus, machte sich das Gespenst der Raumnot schon wieder bemerkbar. Durch die Senkung der Eröffnungszahlen in den ersten Klassen von 36 auf 30 stieg die Anzahl der Klassen. 1987 wurde erstmalig mit vier ersten Klassen begonnen, drei Jahre später mit fünf. So kletterte die Anzahl der Klassen allmählich auf über 20, die Zahl der SchülerInnen durchbrach 1989 die 500er-Marke. 1989 kamen die Teilung in BG und BRG und die neue Oberstufe mit Wahlpflichtfächern und der neuen Matura. Vier bzw. fünf Parallelklassen in der Unterstufe sowie die Einrichtung eines EDV-Raumes beendeten den paradiesischen Raumzustand wieder und bescherten uns erstmals Wanderklassen. Die Probleme die gelöst schienen, begannen von neuem!

1991/92 war die Schülerzahl auf über 600 angestiegen, wegen des begrenzten Raumangebotes mussten nun Schüler der ersten Klassen abgewiesen werden, durch Klassenzusammenlegungen stieg die Schülerzahl in manchen Klassen auf über 70, 7 Klassen mussten wieder wandern. Daher wurden von Seiten der Schule und der Eltern Schritte unternommen, um möglichst rasch eine Aufstockung des dafür vorgesehenen Gebäudeteiles zu erreichen.

Es dauerte trotzdem länger als erhofft, und die Bauarbeiten fanden nicht während der Ferien, sondern während des Schuljahres 1994/95 statt, wodurch eine Beeinträchtigung des Unterrichtbetriebes nicht zu vermeiden war. Da zeitweise zwei Klassenräume blockiert waren, mussten deren Schüler monatelang in der Aula unterrichtet werden!

Mit dem Ende des Schuljahres 1995/96 trat Hofrat Zaunstock nach 21jähriger Direktionstätigkeit in den Ruhestand. 1996/97 wurde das Haus von OStR. Gottfried Obereder als provisorischem Leiter geführt, begleitet von Mag. Peter Praschl als provisorischem Administrator. Mit Schulbeginn 1997/98 übernahm Mag. Otto König, bislang Administrator am Bundesgymnasium Babenbergerring in Wr. Neustadt, das BG/BRG Berndorf. Er unterrichtet die Fächer Mathematik, Physik und Informatik.

Von 1985 bis 1991, fast 6 Jahre lang, dämmerte das alte Gymnasium am Kislingerplatz, die "graue Burg von Berndorf", einem ungewissen Schicksal entgegen. Die Stadtgemeinde Berndorf sanierte das Gebäude 1991/92. Leitlinie bei der Neugestaltung war, den alten Bau in seiner Eigenheit zu bewahren, ihn zugleich aber für die neuen Zwecke zu adaptieren. Im hofseitigen Bereich zog die Sonderschule ein, im Bereich Konferenzzimmer und Direktionskanzlei die Stadtbibliothek, im ersten Stock die Musikschule und im Keller das Stadtarchiv.



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